Ohne Titel

8. Lothar Schreyer. Ohne Titel. Holzschnitt. 1923. Signiert u. datiert.

Meistermappe des Staatlichen Bauhauses 1923. Acht Grafiken und separates Titelblatt in Orig.-Halbpergamentmappe. Bauhausverlag G.m.b.H., München u. Weimar. 1923. Mappe: 50,5 x 40,5 cm.

Eines von 100 Exemplaren. – Alle Blätter wurden in den Handdruckpressen der grafischen Druckerei des Bauhauses in Weimar, geleitet von Lyonel Feininger als Formmeister und Carl Zaubitzer als Werkmeister, gedruckt. – Komplett sehr selten. – Zu Beginn der 1920er Jahre fungierte die Druckerei des Bauhauses vorwiegend als Produktionsstätte, in der Aufträge jeder Art im Bereich des Kunsthanddruckes für den Verkauf ausgeführt wurden. (Hierzu u. zum Folgenden vgl. Magdalena Droste: Bauhaus 1919-1933. Köln, 2002. S. 98ff. u. Klaus Weber (Hrsg.): Punkt – Linie – Fläche. Druckgraphik am Bauhaus. Berlin, 1999. Nrn. 6.1 bis 6.8.) – Feininger eröffnete mit dem Zyklus „12 Holzschnitte“ die große Reihe von zehn druckgrafischen Bauhausmappen, darunter die fünfteilige Serie „Neue europäische Graphik“, in der die wichtigsten Tendenzen der europäischen Avantgarde zusammengetragen wurden, Kandinkys „Kleine Welten“, Oskar Schlemmer „Spiel mit Köpfen“ und die vorliegende Meistermappe, die acht Werke von am Bauhaus tätigen Meistern enthält. Um die wirtschaftliche Eigenständigkeit zu stärken und auch die Ideen des Bauhauses zu verbreiten, wurde 1923 der Bauhaus-Verlag (Signet entworfen von Moholy-Nagy) gegründet, der sich nicht lange halten konnte und neben der Meistermappe lediglich das Buch zur großen Bauhausausstellung 1923 und Marcks‘ „Wielandslied der Edda“ herausbrachte. Finanziell erbrachten die Mappen nicht den erhofften Erfolg, was teils an der vorhandenen Konkurrenz, teils an der Inflation lag. Große Teile des Besitzes des Bauhauses gingen nach der Übersiedelung nach Dessau 1925 in den Besitz des Staates Thüringen ein, der sehr früh nationalsozialistisch regiert wurde. Zwischen 24 und 61 Exemplare jedes erschienenen Mappenwerkes wurden ab 1925 als „Konkursmasse des Bauhauses“ vom Thüringischen Volksbildungsministerium verwaltet und gingen nach 1933 größtenteils verloren; Kriegseinwirkungen führten zu weiteren Verlusten. – Alle Blätter mit den Orig-Passepartouts neu passepartouriert u. gut erhalten. – Experiment Bauhaus 135-142. – Fiedler S. 482-487. – Wingler 562.